____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Polizei Hessen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Die Polizei Hessen ist die Landespolizei des deutschen Bundeslandes Hessen. Die Ăźber 21.500 Polizeibediensteten betreuen ein Gebiet von 21.115 km².cite-ref-1[1] Die hessische Polizei war bundesweit die erste Polizei, die ausschlieĂlich die zweigeteilte Laufbahn eingefĂźhrt hat. Es gibt lediglich den gehobenen und hĂśheren Polizeivollzugsdienst.
Contents
⢠Auftrag
⢠Aufgaben
⢠Rechtsgrundlagen
⢠Organisation
⢠Wachpolizei
⢠Ausbildung
⢠Gehobener Dienst
⢠HÜherer Dienst
⢠Ausrßstung
⢠Uniform
⢠Fahrzeuge
⢠Dienstausweise
⢠Besonderheiten
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Auftrag
Aufgaben
Auftrag ist die Gewährleistung der Ăśffentlichen Sicherheit und Ordnung. Als StrafverfolgungsbehĂśrde geht sie gegen ordnungswidrige und strafbare Handlungen vor, ermittelt Täter und analysiert Tatmuster. Eine weitere Aufgabe ist die Gefahrenabwehr im Bereich der inneren Sicherheit, das heiĂt, die VerhĂźtung oder Unterbindung von rechtswidrigen Handlungen jeder Art. Im Rahmen der VerkehrsĂźberwachung regelt sie VerkehrsstrĂśme und hat eine tragende Rolle in der Notfallhilfe (Notruf). Ferner sorgt die Polizei in enger Kooperation mit BehĂśrden fĂźr die Verbrechensprävention, um bereits im Vorfeld mĂśgliche Straftaten zu erkennen und zu verhindern.
Rechtsgrundlagen
FĂźr den Bereich der Gefahrenabwehr ergeben sich die Eingriffsbefugnisse der Polizei aus dem Polizeigesetz des Landes Hessen, dem Hessischen Gesetz Ăźber die Ăśffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG).
Die Ermächtigung fßr das Einschreiten zur Strafverfolgung ergibt sich aus der Strafprozessordnung (StPO).
Organisation
Das Landespolizeipräsidium, das zugleich eine Abteilung des Hessischen Ministeriums des Innern und fßr Sport ist, ist die oberste BehÜrde der hessischen Polizei. Dieser sind sowohl die sieben bereichszuständigen Polizeipräsidien (Nordhessen, Osthessen, Frankfurt, Sßdhessen, Mittelhessen, Westhessen und Sßdosthessen), als auch die zentral zuständigen Präsidien, das Hessische Polizeipräsidium Einsatz, das Hessische Landeskriminalamt und das Hessische Polizeipräsidium fßr Technik untergeordnet.cite-ref-2[2]
Organisationsreform
Im Jahr 2001 wurde die Organisation der hessischen Polizei grundlegend reformiert. Vor der Organisationsreform bestand ein dreistufiger Aufbau aus:
⢠Oberste PolizeibehÜrde: Die Abteilung III des Hessischen Ministeriums des Innern und fßr Sport.
⢠Mittlere PolizeibehĂśrden: Den Regierungspräsidien Darmstadt, GieĂen und Kassel.
⢠Untere PolizeibehÜrden: 14 Polizeidirektionen und 6 Polizeipräsidien.
Durch die Umorganisation wurden die Zuständigkeiten aus den Regierungspräsidien ausgegliedert und entsprechend den Zuständigkeitsbereichen auf die sieben neuen Flächenpräsidien aufgeteilt. Seitdem sind alle Polizeipräsidien in Hessen direkt dem Landespolizeipräsidium (ehemalige Abteilung III) des Innenministeriums unterstellt.cite-ref-3[3]
Durch die Straffung von ehemals 27 und nunmehr 11 BehÜrden wurde in vielerlei Hinsicht eine Optimierung erreicht. UnnÜtige Doppelarbeit konnte so verringert, Entscheidungswege konnten verkßrzt und Polizisten entsprechend dem Arbeitsaufkommen gerechter verteilt werden. Ein weiterer Effekt war, dass viele Polizeibeamte durch das geringere Verwaltungsaufkommen nun wieder originärer Polizeiarbeit nachgehen konnten.
Wachpolizei
Die hessische Wachpolizei wurde im Oktober 2000 eingefßhrt. AngehÜrige der Wachpolizei sind Angestellte des Landes Hessen. Nach einer Pilotphase in den Polizeipräsidien Frankfurt, Mittelhessen und Nordhessen mit 110 Angestellten erfolgte die Ausweitung auf alle Flächenpräsidien. Derzeit befinden sich ca. 600 Wachpolizisten im Dienst des Landes Hessen.
Die Wachpolizei ist unter anderem fĂźr Objektschutz, FuĂstreife und erkennungsdienstliche Behandlungen zuständig, welche aber auch durch die Schutzpolizei durchgefĂźhrt werden.cite-ref-4[4]
Freiwilliger Polizeidienst
Hessen hat seit 2000 einen freiwilligen Polizeidienst. Dieser auch in einigen anderen Bundesländern eingerichtete Dienst wird durch ehrenamtlich tätige BĂźrger wahrgenommen. Die Aufgaben des freiwilligen Polizeidienstes in Hessen bestehen hauptsächlich in der Hilfeleistung und UnterstĂźtzung. So Ăźbernehmen die Mitglieder Tätigkeiten wie die Ăberwachung des Verkehrs, sind bei Volksfesten und UmzĂźgen präsent und dienen sonst der Prävention vor der VerĂźbung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.cite-ref-5[5]
Polizeiliche Kriminalstatistik / Aufklärungsquote
Die Aufklärungsquote in Hessen betrug fßr das Jahr 2024 61,9 %, die Fallzahlen sanken um 2,3 %.cite-ref-6[6]
Fallzahlen und Aufklärungsquote (Hessen) seit 1997:
| Jahr | Fallzahlen | Ănderung zu Vorjahr | Aufklärungs-quote (AQ) |
|---|---|---|---|
| 1997 | 457.408 | â0,9 % | 44,4 % |
| 1998 | 446.877 | â2,3 % | 47,4 % |
| 1999 | 427.805 | â4,3 % | 47,5 % |
| 2000 | 419.766 | â1,9 % | 48,6 % |
| 2001 | 409.326 | â2,5 % | 48,6 % |
| 2002 | 431.460 | +5,4 % | 48,2 % |
| 2003 | 454.550 | +5,4 % | 49,4 % |
| 2004 | 462.208 | +1,7 % | 52,5 % |
| 2005 | 441.830 | â4,4 % | 54,5 % |
| 2006 | 427.238 | â3,3 % | 55,1 % |
| 2007 | 420.725 | â1,5 % | 55,9 % |
| 2008 | 407.357 | â3,2 % | 57,1 % |
| 2009 | 407.022 | â0,1 % | 57,8 % |
| 2010 | 401.864 | â1,3 % | 58,3 % |
| 2011 | 396.834 | â1,3 % | 58,5 % |
| 2012 | 395.625 | â0,3 % | 58,8 % |
| 2013 | 386.778 | â2,2 % | 59,5 % |
| 2014 | 396.931 | +2,6 % | 59,3 % |
| 2015 | 403.188 | +1,6 % | 59,9 % |
| 2016 | 412.104 | +2,2 % | 62,7 % |
| 2017 | 375.632 | â8,9 % | 62,8 % |
| 2018 | 372.798 | â0,8 % | 64,2 % |
| 2019 | 364.833 | â2,1 % | 65,2 % |
| 2020 | 342.423 | â6,1 % | 65,5 % |
| 2021 | 336.030 | â1,9 % | 65,6 % |
| 2022 | 368.579 | +9,7 % | 63,7 % |
| 2023 | 397.512 | +7,8 % | 63,2 % |
| 2024 | 388.266 | â2,3 % | 61,9 % |
Ausbildung
Auf Grund der zweigeteilten Laufbahn innerhalb der hessischen Polizei kann man sich nach Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung ausschlieĂlich fĂźr den gehobenen Polizeivollzugsdienst bewerben.
Gehobener Dienst
Die Ausbildung zum Polizei- oder Kriminalkommissar in Hessen ist ein duales Studium und dauert drei Jahre. Man studiert in dieser Zeit an der Hessischen Hochschule fĂźr Ăśffentliches Management und Sicherheit (HĂśMS). An den Standorten Wiesbaden, MĂźhlheim, GieĂen und Kassel gibt es je ein Campus. Das Studium wird abgeschlossen als Bachelor of Arts (Polizeivollzugsdienst âSchutzpolizeiâ) bzw. als Bachelor of Arts (Polizeivollzugsdienst âKriminalpolizeiâ) ab.cite-ref-7[7]
Von Beginn bis zum Abschluss des Studiums besteht ein Beamtenverhältnis auf Widerruf. Man erhält fßr diesen Zeitraum die Dienstbezeichnung einer Polizeikommissaranwärterin bzw. eines Polizeikommissaranwärters respektive einer Kriminalkommissaranwärterin bzw. eines Kriminalkommissaranwärters.
Die Bezßge während des ersten Studienjahres betragen etwa 1.463 ⏠(netto).cite-ref-8[8] Dieses steigt kontinuierlich bis zum Abschluss des Studiums. Danach wird man zur Polizeikommissarin bzw. zum Polizeikommissar respektive zur Kriminalkommissarin bzw. zum Kriminalkommissar ernannt mit der Besoldungsgruppe A9. Das Gehalt beträgt dann etwa 3.330 ⏠(brutto).cite-ref-9[9] Dieses Gehalt wird je nach Aufgabengebiet durch Zuschläge nach Hessischen Besoldungsgesetz (HBesG) erweitert (Bsp. Schichtzulage).cite-ref-10[10]
Direkteinstieg in die Kriminalpolizei
Bei der hessischen Polizei besteht die MĂśglichkeit, direkt bei der Kriminalpolizei anzufangen. Die Einstellungsvoraussetzungen bleiben gleich. Bei den Testergebnissen des Eignungsauswahlverfahrens wird jedoch besonders auf die Erfordernisse der Kriminalpolizei Wert gelegt. Es gibt daher eine gesonderte Rangliste fĂźr die Kriminalpolizei. Das Studium selbst findet in eigenen Studiengruppen statt.cite-ref-11[11]
Voraussetzungen
Um sich fĂźr den gehobenen Polizeivollzugsdienst in Hessen zu bewerben, mĂźssen folgende Voraussetzungen erfĂźllt werden:cite-ref-12[12]
⢠jederzeitiges Eintreten fßr die freiheitliche demokratische Grundordnung
⢠gerichtlich nicht bestraft
⢠geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
⢠Zugangsberechtigung fßr hessische Fachhochschulen (Abitur, Fachhochschulreife, Meisterprßfung oder einen entsprechenden Bildungsabschluss, mittlere Reife + 3-jährige Berufsausbildung + Notenschnitt Berufsschule < 2,5)
⢠nach polizeiärztlichem Urteil polizeidiensttauglich
⢠MindestgrĂśĂe von 155 cm
⢠HÜchstalter 36 Jahre am Tage der Einstellung (Ausnahmen fßr Soldat auf Zeit 12)
⢠Fahrerlaubnisklasse B am Tag der Einstellung (Schaltgetriebe)
⢠deutsche Staatsbßrgerschaft ist nicht erforderlich, fßr EU-Bßrger gelten die gleichen Voraussetzungen wie fßr Deutsche
⢠Bewerber aus Nicht-EU-Staaten mßssen zusätzlich folgende Voraussetzungen erfßllen:
⢠gßltige Niederlassungserlaubnis fßr Deutschland
⢠fßnf Jahre in Deutschland gelebt
⢠Beherrschung der Muttersprache in Wort
Einstellungstest
Der Einstellungstest besteht aus drei Teilen sowie der polizeiärztlichen Untersuchung, die sich auf zwei Tage verteilen.cite-ref-13[13]
Zuerst durchläuft man ein computergestßtztes Testverfahren. In diesem ersten Abschnitt absolviert man einen Intelligenztest, einen Konzentrationsleistungstest,cite-ref-14[14] einen Selbsteinschätzungstest, der auffällige PersÜnlichkeitsmerkmale herausfiltern soll, sowie einen Rechtschreibtest.
Im Anschluss daran werden die sportlichen Fähigkeiten getestet. Zum Sporttest gehÜren in Hessen: Achterlauf, Bankdrßcken, 5er-Sprunglauf und der 500-Meter-Wendelauf.
Den Abschluss des ersten Tages bilden das Gruppengespräch und das Einzelinterview. Im Gruppengespräch wird der Gruppe eine Aufgabe erteilt, die in einer vorgegebenen Zeit gemeinsam besprochen und gelÜst werden muss. Im Einzelinterview werden unter anderem Fragen zur PersÜnlichkeit des Bewerbers sowie zum Beruf des Polizeibeamten gestellt.
Am zweiten Tag wird durch den Polizeiarzt die Polizeidiensttauglichkeit geprĂźft. Dazu gehĂśren u. a. Seh- und HĂśrtests, eine allgemeinmedizinische Untersuchung, ein Drogentest, eine Blutuntersuchung sowie ein Belastungs-EKG.
Studienablauf
Das Studium unterteilt sich in theoretische und praktische Studienabschnitte. Nach dem ersten theoretischen Semester folgt im 2. Semester das Grundlagentraining beim Hessischen Polizeipräsidium Einsatz (ehem. Bereitschaftspolizei), welches durch ein anschlieĂendes achtwĂśchiges Grundlagenpraktikum auf einer Polizeidienststelle begleitet wird. Dort werden grundlegende Arbeitsabläufe, Techniken und Methoden vermittelt, die im späteren Dienst eine wichtige Grundlage darstellen.
Darauf folgt dann das 3. Semester, welches mit einem vierwĂśchigen Praktikum endet, das dazu dient verkehrspolizeiliche MaĂnahmen intensiver zu vermitteln. Das 4. Semester hat einen reinen theoretischen Inhalt. Das darauf folgende 5. Semester besteht aus zwei praktischen Abschnitten, einem Ermittlungstraining und dem groĂen Praktikum. In diesem Praktikum versieht man seinen Dienst auf einem Polizeirevier bzw. einer Polizeistation sowie einem Kriminalkommissariat. Abgeschlossen wird das Studium mit dem erfolgreichen Bestehen des 6. Semesters, welches erneut theoretische Grundlagen vermittelt. In Fächern wie Einsatzlehre, Verwaltungsrecht, Kriminalistik, Verkehrsrecht und Strafrecht/Strafprozessrecht mĂźssen während jedem theoretischen Semester Klausuren geschrieben und bestanden werden. Zudem gehĂśrt zum erfolgreichen Abschluss das Anfertigen einer Bachelor-Arbeit (Thesis) im 5. Semester, welche später vor einem PrĂźfungsausschuss verteidigt werden muss.
Wurden alle diese Prßfungen bestanden, erhält man den Abschluss Bachelor of Arts und wird zur Polizeikommissarin/zum Polizeikommissar bzw. zur Kriminalkommissarin/zum Kriminalkommissar ernannt.
HĂśherer Dienst
Fßr leistungsstarke Beamte des gehobenen Dienstes besteht die MÜglichkeit, bei ßberdurchschnittlichen Leistungen, welche im täglichen Dienst erbracht wurden, in den hÜheren Polizeivollzugsdienst aufzusteigen. Voraussetzung hierfßr ist unter anderem, die Abschlussnote der Laufbahnprßfung mit mindestens 10,5 Punkten zu bestehen.cite-ref-15[15] Nachdem das Eignungsauswahlverfahren fßr den hÜheren Polizeivollzugsdienst erfolgreich absolviert wurde, kÜnnen die Beamten zum Polizeiratanwärter ernannt werden.
Die Ausbildung findet in Form eines zweijährigen Masterstudiengangs statt, dessen erstes Jahr bei der Hessischen Hochschule fßr Polizei und Verwaltung und das zweite Jahr an der Deutschen Hochschule der Polizei in Mßnster absolviert wird. Die Gesamtverantwortung fßr das Studium liegt bei der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol).
Das erste Studienjahr fßhrt die HfPV in Kooperation mit den zuständigen Bildungseinrichtungen der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland durch.cite-ref-16[16] Die Module des Studiums werden in Blockform angeboten und enden jeweils mit einer schriftlichen oder mßndlichen Modulprßfung. Dieses Studienjahr beinhaltet unter anderem ein mehrwÜchiges Praktikum in BehÜrden und Wirtschaftsunternehmen.
Die Inhalte des zweiten Studienjahrs reichen von Einsatzlehre und Psychologie Ăźber Kriminalistik und Rechtswissenschaften bis zur FĂźhrungslehre. Durch den erfolgreichen Abschluss des Studiums wird der akademische Grad âMaster of Arts (M.A.) Ăffentliche Verwaltung â Polizeimanagementâ erworben, der zum Einstieg in den hĂśheren Dienst als Polizeirat (PR) berechtigt.cite-ref-17[17]
AusrĂźstung
Uniform
Die hessische Polizeiuniform ist seit 2008 blau.
Die Polizeien der Länder ThĂźringen und Saarland Ăźbernahmen die neue blaue Uniform der hessischen Polizei, teilweise mit länderspezifischen Ănderungen. Des Weiteren Ăźbernehmen auch die Stadtpolizei Frankfurt am Main und die Kommunalpolizei Darmstadt (beides Hilfspolizeien im Sinne des § 99 HSOG) die neue blaue Polizeiuniform der hessischen Polizei. Siehe dazu auch Ordnungspolizei (Hessen).
Fahrzeuge
Die 1.700 Dienstfahrzeuge sind ßberwiegend Fahrzeuge der Marken Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Opel. Vereinzelt kommen auch Fahrzeuge anderer Hersteller wie zum Beispiel Ford zum Einsatz. Streifenwagen sind VW T5, VW Tiguan, BMW 5er, Mercedes-Benz Vito, MAN TGE, Opel Zafira Sports Tourer sowie Opel Insignia. Streifenmotorräder sind BMW R 1200 RT und BMW R 900 RT. Die Yamaha FJR 1300 A wurde 2014 ausgemustert.
Seit 2005 wurden die Streifenwagen auf die blau-silberne bzw. blau-weiĂe Optik umgestellt.
An den Dienstfahrzeugen der hessischen Polizei werden Kennzeichen in der Form âWI-HP XXXXâ verwendet, wobei âHPâ fĂźr âhessische Polizeiâ steht. Die BehĂśrdenkennzeichen (WI-XXXXX) wurden 2007 abgeschafft.
Am 30. März 2012 wurde ein taktisches Aufklärungsflugzeug Vulcanair P68 Observer (Kennz. D-GHEA) als neues und erstes Flugzeug der hessischen Polizei vorgestellt. Es wird mit seiner Hochleistungskamera fĂźr Ăberwachungs- und KontrollflĂźge in Hessen und Rheinland-Pfalz eingesetzt. Es ist das erste Kleinflugzeug im Dienste einer deutschen Polizei.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19] Im April 2016 erfolgte auch ein Einsatz im Raum Hannover anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama sowie zu seinem Besuch im November 2016 in Berlin. Am 6. August 2021 kam eine Beechcraft King Air 250 hinzu.cite-ref-20[20]
Automatische Kennzeichenlesesysteme AKLS
Die hessische Polizei hatte ab Ende Januar 2007 Automatische Kennzeichenlesesysteme (AKLS) im Einsatz. Die Nutzung wurde mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11. März 2008 verworfen, das Gericht sah den § 14 Abs. 5 des Hessischen Gesetzes Ăźber die Ăśffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Januar 2005 wegen Gebot der Normenbestimmtheit und Normenklarheit mit Artikel 2 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes wegen unvereinbar und nichtig. Die Vorschrift habe keine Einschränkungen auf einen bestimmten Anlass sowie keine Gefahren- oder Verdachtsschwelle enthalten, die Begriffe des Fahndungsbestands und der Fahndungsnotierung. Der Wortlaut des Gesetzes habe nicht ausgeschlossen, dass auch âweiche Datenbeständeâ einbezogen werden konnten, die RĂźckschlĂźsse auf einen Personenkreis und die MĂśglichkeit der Erstellung von Bewegungsbildern zulassen, der durch sein Verhalten keinen Anlass fĂźr die Aufnahme in den Fahndungsbestand gab. Zu Fahndungen nach der Polizeidienstvorschrift PDV 384.1 zählen auch Polizeiliche Beobachtungen zur Aufklärung von Strukturen der organisierten Kriminalität, etwa einer Aufklärung von Verschiebungswegen und Absatzmärkten von Diebesbanden. Ein derartiger Einsatz der Kennzeichenerfassung in der weiten Normfassung sei bei einer flächendeckenden Verwendung oder âauf Automärkten und GroĂparkplätzenâ zur âKriminalitätsbekämpfung im Bereich des organisierten Kfz-Diebstahls und der Kfz-Verschiebungâ verfassungswidrig.cite-ref-bverfg-21-0[21]
Der Abgleich der AKLS erfolgt unmittelbar nach der Erfassung. Der Mittelwert der Abgleichsdauer liege bei einer Sekunde. Im Nichttrefferfall wird das angefertigte Bild sowie die Zeichenfolge des Kennzeichens aus dem flĂźchtigen Speicher des Lesegeräts automatisch gelĂśscht. Im flĂźchtigen Speicher sei ein Speicherbereich fĂźr hĂśchstens neun Kennzeichen reserviert. Ist dieser Bereich belegt, werden die vorhandenen Informationen bereits im laufenden Betrieb durch neue Informationen Ăźberschrieben, das heiĂt automatisch gelĂśscht. Nach der LĂśschung seien die Informationen nicht wieder herstellbar. Bei Unterbrechung der Stromversorgung gehen noch verbliebene Speicherinhalte verloren. Im Trefferfall werden das gefertigte Bild sowie das identifizierte Kennzeichen auf dem Bildschirm des mobilen Standardarbeitsplatzes (Laptop) angezeigt und kann dort manuell gespeichert werden. Bei einem Treffer vergleicht der Bediener zunächst das Bild mit dem ausgelesenen Kennzeichen. Bei Ăbereinstimmung wird geprĂźft, ob die Fahndung noch aktuell ist und welcher Ausschreibungsanlass zugrunde liegt. Bei negativem Ergebnis wird die Daten sofort gelĂśscht.cite-ref-bverfg-21-1[21] Mit der Neufassung des Gesetzes unter § 14a HSOG wurde geregelt, dass Datenerhebungen nicht flächendeckend, nicht dauerhaft, nicht längerfristig und bei StraĂen nur auf Bundesautobahnen und EuropastraĂen durchgefĂźhrt werden dĂźrfen. Die AKLS-Geräte kamen in Hessen ab 2011 erneut zum Einsatz.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
Dienstausweise
Im Februar 2011 wurden neu gestaltete Dienstausweise fĂźr die hessische Polizei eingefĂźhrt. Die Art des Ausweises wurde wegen etlicher Mängel als âunprofessionellâ kritisiert.cite-ref-24[24]
Besonderheiten
⢠Das Ărmelabzeichen der Wasserschutzpolizei unterscheidet sich leicht vom sonst verwendeten Abzeichen.
⢠Wie viele Polizeien in Deutschland unterhält die hessische Polizei eine Internetwache.
Datenbanken und Passwortsicherheit
Der Gesamtdatenbestand des polizeilichen Informationssystems ist mit etwa 19 Millionen Datensätzen relativ groĂ. Diese Datensätze enthalten Informationen zu Personen, die aufgrund einer Straftat oder eines anderen RechtsverstoĂes gesucht werden, sowie zu Sachen, die gestohlen oder vermisst werden. Die Zahl der Anfragen im Bereich der Personensuche ist mit ca. 45.000 pro Tag ebenfalls relativ hoch. Dies zeigt, dass die polizeilichen Informationssysteme ein wichtiges Werkzeug fĂźr die Ermittlungsarbeit der Polizei sind. Die Anzahl der berechtigten Polizeibeschäftigten variiert stark nach Funktion und insbesondere auch im Hinblick auf die im jeweiligen System hinterlegten Daten. So hat beispielsweise aus GeheimschutzgrĂźnden eine Anzahl von Personen im sehr niedrigen einstelligen Bereich Zugriff auf die Antiterrordatei. Diese Datei enthält Informationen zu Personen, die als potenzielle Gefährder fĂźr die innere Sicherheit eingestuft werden. Die Systeme EWO, ZEVIS und POLAS enthalten hingegen Informationen, die fĂźr die allgemeine Polizeiarbeit relevant sind. Daher haben rund 17.000 Beschäftigte Zugriff auf diese Systeme. Die Protokollierung aller Abfragen in polizeilich zugänglichen Datensystemen ist ein wichtiger Schritt zur Gewährleistung der Datensicherheit. Die Polizei hat, insbesondere mit den VorwĂźrfen in der Drohbriefaffäre, in den letzten Jahren ihre MaĂnahmen zur Passwortsicherheit weiter erhĂśht. Diese MaĂnahmen sollen dazu dienen, eine ZugriffsmĂśglichkeit durch Dritte zu erschweren:
⢠Passwortwechsel: Der Passwortwechsel wurde auf 21 Tage verkßrzt. Dies soll verhindern, dass Angreifer ein Passwort ßber einen längeren Zeitraum nutzen kÜnnen, um sich Zugang zu einem System zu verschaffen.
⢠Sperrbildschirm: Der Sperrbildschirm aktiviert sich nun bereits nach drei Minuten Inaktivität statt bisher 15 Minuten. Dies soll verhindern, dass ein unbefugter Nutzer einen Computer oder ein mobiles Gerät ßbernehmen kann, wenn der Nutzer kurzzeitig abwesend ist.
⢠Pflichtangaben bei Abfragen: Bei Abfragen im polizeilichen Auskunftssystem POLAS mßssen nun die Felder Veranlasser und Abfragegrund systemseitig verpflichtend ausgefßllt werden. Dies soll die Nachvollziehbarkeit von Abfragen verbessern und verhindern, dass sensible Daten unberechtigt abgefragt werden.
⢠Zufallskontrolle: Die Intervalle der bereits verwendeten Zufallskontrolle fßr das polizeiliche Auskunftssystem POLAS wurden von jeder 200. auf jede 50. Abfrage verkßrzt. Dies erhÜht den Druck, alle Felder sorgfältig auszufßllen, um die Zufallskontrolle zu bestehen.
⢠AuflÜsung von Single Sign-On: Das sogenannte Single Sign-On wurde am 31. August 2020 aufgelÜst. Das bedeutet, dass der Aufruf der einzelnen polizeilichen Auskunftssysteme nun nur noch mit einem zusätzlichen Passwort mÜglich ist. Dies soll die Sicherheit weiter erhÜhen, da es Angreifern erschwert wird, mit einem einzigen Passwort Zugang zu mehreren Systemen zu erhalten.
Die neuen MaĂnahmen zur Passwortsicherheit haben einen erheblichen Einfluss auf die Praxis bei der Polizei. Polizeibeamte mĂźssen nun häufiger ihre PasswĂśrter ändern und bei Abfragen im polizeilichen Auskunftssystem sorgfältiger arbeiten. Dies kann zu einem gewissen Mehraufwand fĂźhren, erhĂśht aber auch die Sicherheit der Daten. Die hessische Polizei hat zur ErfĂźllung ihrer Aufgaben im Bereich der Strafverfolgung, der Gefahrenabwehr, aber auch der allgemeinen Verwaltung im Rahmen der jeweils geltenden Berechtigungen Zugriff auf folgende Datenbanken:
⢠AFIS â AFIS-Sofortauskunft, Bund AFIS Daktyloskopische Datenbank,
⢠ATD â Antiterrordatei
⢠AZR â Ausländerzentralregister mit den Modulen VISA, VIS, VIS-FastID,
⢠BZR â Bundeszentralregister gemäà § 41 BZRG
⢠ComVor â ComputergestĂźtzte Vorgangsbearbeitung mit ComVor-Index (CV-I),
⢠Crime,
⢠Darex â Datenbank Rechtsextremismus, Tonträger,
⢠Discoverer/SplashBI,
⢠DAD â DNA Analyse Datei,
⢠eFBS â einheitliches Fallbearbeitungssystem,
⢠EFS â EinsatzfĂźhrungssystem (Leitstellenmodul AAO, Befehlsstellenmodul BAO),
⢠EWO Meldedatenabfrage â Einwohnermeldeauskunft und EWO-Fahndungsabgleich,
⢠EBV â Elektronische Bildbearbeitung,
⢠EUSka â Elektronische Unfalltypensteckkarte,
⢠ETB â Elektronisches Tätigkeitsbuch,
⢠FADA â Fahrzeugteileauskunft,
⢠HessenData,
⢠INPOL-FALL und INPOL-Fall-Bund mit APOK, Falschgeld, Geldwäsche, IFIS, Korruption, VUTOT und Wikri,
⢠Justiz Online mit den Modulen ZStV, BZR, ECRIS,
⢠KLB â KLB-Operativ und Kriminalitätslagebild-neu,
⢠KBA und ZEVIS â Kraftfahrt-Bundesamt mit den Modulen ZFER, ZFZR, FAER FE, FAER online, EUCARIS, ZKR, TACHONET,
⢠Lichtbildrecherche,
⢠NWR â Nationales Waffenregister,
⢠Owi21 und Owi21 ToGo,
⢠PKS â Polizeiliche Kriminalstatistik,
⢠PIAV â Polizeilicher Informations- und Analyseverbund Operativ-Zentral des Bundes, in den Bereichen Waffen- und Sprengstoffkriminalität, Rauschgiftkriminalität, Cybercrime, Eigentumskriminalität und VermĂśgensdelikte, Dokumentenkriminalität, Schleusung, Menschenhandel und Ausbeutung,
⢠POLAS LAND / INPOL / Schengen (SIS), Bund INPOL-Z Personen-, Sach- und Falldaten â Polizeiliches Auskunftssystem,
⢠RED â Rechtsextremistendatei (RED),
⢠SKD â Schiffskontrolldatei,
⢠SOLA â Sonderlagen (SOLA),
⢠Tatortberechtigten-Datenbank,
⢠SĂP â Zuverlässigkeits- und SicherheitsprĂźfung.
Der Bund und/oder die Länder haben keinen Zugriff auf die Datenbanken der hessischen Polizei. Die BehÜrden des Bundes und der Länder haben Zugriff auf die Melderegister.cite-ref-25[25]
Geschichte, Affären und Kritik
Hessische Polizei-Affäre und Polizeigewalt
Zum Jahreswechsel 2010/2011 kam es wegen der Entlassung des damaligen Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela und der umstrittenen Berufung eines neuen Präsidenten der hessischen Bereitschaftspolizei zu Medienreaktionen und zu Kontroversen im Hessischen Landtag. Nachfolger von Nedela wurde Udo Mßnch.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
Mobbing und âschwarze Aktenâ
Das HR-Magazin hessenschau berichtete im Herbst 2011 Ăźber schwarze Akten bei der hessischen Polizei, die Ăźber einzelne âaufmĂźpfigeâ Beamte intern angelegt worden seien. Die Staatsanwaltschaft versuchte anschlieĂend mit Hausdurchsuchungen Informanten des HR aufzuspĂźren, die in der TV-Sendung Ăźber Akten bei der Polizei berichtet oder diese besorgt haben sollen. Das Amtsgericht Offenbach und das Landgericht Darmstadt wiesen das Ansinnen der Ermittler jedoch ab. Der Beschluss Ăźber die Ablehnung der Hausdurchsuchungen wurde im Juni 2011 erlassen, die Beschwerden der Staatsanwaltschaft dagegen lehnte das Landgericht Darmstadt im Juli 2011 ab. Einer der betroffenen Polizisten, dessen Wohnung durchsucht werden sollte, war ein Polizeioberkommissar, der sich als Mobbing-Opfer betrachtet. Im Verfahren gegen seinen Arbeitgeber stieĂ er darauf, dass die Polizei schwarze Akten Ăźber ihn gefĂźhrt habe. Er beklagte sich darĂźber Ăśffentlich. Im April 2011 setzte der Polizist vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt durch, dass er Einsicht in die Dokumente nehmen darf.cite-ref-30[30]
Drohbriefe âNSU 2.0â und rechtsextreme Vorfälle
â
Hauptartikel
:
NSU 2.0
Ab dem 2. August 2018 erhielt die Frankfurter Rechtsanwältin Seda BaĹay-YÄąldÄąz per Fax oder E-Mail eine Reihe mit âNSU 2.0â unterzeichnete Morddrohungen. Darin waren Privatdaten enthalten, die kurz zuvor aus Computern des 1. Frankfurter Polizeireviers abgerufen worden waren. Dort wurde eine rechtsextreme Chatgruppe entdeckt, der sechs hessische Polizisten angehĂśrten. Nach deren Suspendierung gingen die Drohungen weiter. Seit November 2019 erhielt die Kabarettistin Idil Baydar,cite-ref-31[31] seit Februar 2020 auch die hessische Politikerin Janine Wissler Drohmails von âNSU 2.0â. Zu beiden Adressatinnen waren zuvor persĂśnliche Meldedaten aus einem Polizeicomputer in Wiesbaden abgefragt worden.cite-ref-32[32] In den folgenden Jahren erhielten zahlreiche weitere Personen und BehĂśrden Drohmails von âNSU 2.0â. Eine von Sabine Thurau geleitete Kommission im Landeskriminalamt Hessen (LKA) fĂźhrte die internen Ermittlungen dazu durch und entdeckte zahlreiche nicht tatbezogene rechtsextreme Vorfälle in Hessens Polizei. Im Juni 2019 nahm das LKA einen Frankfurter Polizisten als mutmaĂlichen Absender des ersten Drohfaxes fest, lieĂ ihn aber am Folgetag mangels Beweisen wieder frei.cite-ref-33[33] Ab 9. Juli 2020, nach Bekanntwerden der dritten polizeilichen Datenabfrage zu Janine Wissler, schloss Hessens Innenminister Peter Beuth ein rechtsextremes Netzwerk in Hessens Polizei nicht mehr aus und setzte den im Frankfurter Polizeipräsidium tätigen Kriminaldirektor Hanspeter Mener als Sonderermittler zu dem Fall ein.cite-ref-34[34]
Am 3. Mai 2021 nahm ein hessisches Einsatzkommando in Berlin den 53-jährigen Alexander Horst M. als mutmaĂlichen Absender von 116 Drohmails fest. Unklar blieb vor allem, wie er an die Privatdaten seiner Adressatinnen gekommen war, vor allem an die polizeilich gesperrten Meldeadressen von Seda BaĹay-YÄąldÄąz.cite-ref-35[35] Dies soll in seinem Strafprozess geklärt werden, der im Februar 2022 begann. Während die Staatsanwaltschaft Frankfurt als AnklagebehĂśrde einen Einzeltäter annimmt, der polizeiliche AuskĂźnfte telefonisch durch AmtsanmaĂung, Manipulation und Betrug erhielt, halten die hauptbetroffenen Drohmailempfängerinnen eine absichtliche Datenweitergabe durch hessische Polizisten fĂźr wahrscheinlicher. Deshalb beantragte die Nebenklage-Anwältin Antonia von der Behrens am 16. März 2022, das erste Drohfax an ihre Mandantin Seda BaĹay-YÄąldÄąz von der Anklage gegen M. auszunehmen und dazu den Frankfurter Polizisten Johannes S. zu vernehmen. FĂźr den Verdacht gegen ihn fĂźhrte sie viele Indizien an.cite-ref-36[36]
BĂźrger- und Polizeibeauftragter
Der Kriminologe Rafael Behr sollte Hessens erster BĂźrger- und Polizeibeauftragter werden. Die schwarz-grĂźne Regierungskoalition hatte Behr im September 2021 fĂźr das Ende 2020 neu geschaffene Amt eines âBĂźrger- und Polizeibeauftragtenâ ausgewählt. Behr sei ein ausgewiesener Experte und verfĂźge sowohl Ăźber einen wissenschaftlichen als auch einen praktischen Hintergrund. Der Personalvorschlag ging auf eine Initiative der GrĂźnen zurĂźck.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38] Aus gesundheitlichen GrĂźnden zog er seine Bewerbung Anfang Oktober 2021 zurĂźck.cite-ref-39[39]
Umfrage zu politischen Einstellungen
Nach Bekanntwerden der Drohmails aus Polizeicomputern urteilte der Kriminologe Rafael Behr: Polizisten seien wegen beruflicher Belastungen anfälliger fĂźr autoritäre und rechtsextreme Einstellungen als andere Berufe. Nicht nur Einzelne, sondern auch kleine Milieus wie Dienstgruppen und Arbeitsteams neigten oft zu Rassismus. Hinzu komme ein in der Polizei verbreiteter âCode of Silenceâ, Kollegen nicht anzuzeigen, um nicht als Verräter zu gelten. Dieses Solidaritätsmuster verhindere oft Zivilcourage. Deshalb wĂźrden rechtsradikale Polizisten nur sehr selten entlassen. Er erwarte, dass auch die Frankfurter Polizei die bekannt gewordenen Fälle als absolute Ausnahmen darstelle, dann darĂźber schweige, Anwälte das StrafmaĂ fĂźr die Täter herunterhandelten und diese im Polizeidienst bleiben wĂźrden.cite-ref-40[40]
Im Januar 2020 lieĂ die Landesregierung eine repräsentative Umfrage zu politischen Einstellungen unter den rund 17.000 hessischen Polizisten, Verwaltungsbeamten und Tarifbeschäftigten durchfĂźhren, an der sich 4277 Personen beteiligten. Davon ordneten sich 64,4 Prozent der befragten Polizisten als zur politischen Mitte gehĂśrig, knapp 19 Prozent als âmäĂig rechtsâ, 13 Prozent als âmäĂig linksâ, zwei Prozent als âlinksâ, 1,6 Prozent als ârechtsâ ein. 97 Prozent hielten die parlamentarische Demokratie âeherâ oder âvoll und ganzâ fĂźr die beste Staatsform. 27,6 Prozent stimmten der Aussage zu, es bestehe die âGefahr, dass Deutschland islamisches Land wirdâ. 44 Prozent belastete der Vorwurf von Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus. 66,1 Prozent bejahten die Aussage, Einwanderer machten das Land bunter oder vielfältiger. Laut Innenminister Peter Beuth bestätigte die Studie, dass die rechtsextremen Verdachtsfälle in der hessischen Polizei Einzelfälle seien.cite-ref-41[41]
Dagegen urteilte die Politikwissenschaftlerin Ursula Birsl vom wissenschaftlichen Beirat der Studie: Diese habe ihr Ziel verfehlt, weil mehrere Fragen zu extremen Positionen gestrichen oder entschärft wurden. Sie sei daher nicht aussagekräftig genug, um daraus auf bloĂe rechtsextreme Einzelfälle zu schlieĂen. Die starke Zustimmung zur Islamisierungsthese spreche dagegen.cite-ref-42[42]
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Police of Hesse
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Offizielle Website der Hessischen Polizei
⢠hessenschau: Nicht nur SEK-Kräfte. 49 aktive Polizisten an rechten Chats beteiligt. hessenschau.de, 15. Juni 2021 (abgerufen am 16. Juni 2021)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Polizei in Zahlen. In: www.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-22. â Polizei Hessen â Organisation. In: www.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-33. â Polizei Hessen â Die Geschichte der hessischen Polizei und mehr ⌠In: www.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-44. â Polizei Hessen â Wachpolizei. IKT WEB, PTLV, abgerufen am 9. März 2024.
cite-note-55. â Polizei Hessen â Freiwilliger Polizeidienst. In: www.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-66. â Polizei Hessen â 2024: Polizeiliche Kriminalstatistik 2024. In: www.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-77. â www.hoems.hessen.de â Webseite der HĂśMS. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-88. â Gutes Gehalt und Urlaub im Polizeidienst. Abgerufen am 21. Juli 2023.
cite-note-99. â oeffentlicher-dienst.info
cite-note-1010. â HBesG,HE â Hessisches Besoldungsgesetz â Gesetze des Bundes und der Länder. Abgerufen am 2. November 2018.
cite-note-1111. â www.polizei.hessen.de â Berufsinformationen Polizei Hessen
cite-note-1212. â www.polizei.hessen.de â Voraussetzungen fĂźr den Polizeiberuf
cite-note-1313. â www.polizei.hessen.de â Eignungsauswahlverfahren
cite-note-1414. â Der Konzentrationstest beim Einstellungstest der Polizei. 15. September 2017, abgerufen am 2. April 2018.
cite-note-1515. â Gutes Gehalt und Urlaub im Polizeidienst â Polizei Hessen. In: karriere.polizei.hessen.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-1616. â admin: Masterstudiengang Polizeimanagement (MPM). In: www.hfpv.de. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-1818. â www.polizei.hessen.de Chronik der Polizeifliegerstaffel Hessen, Teil I: Geschichte der gesamten Staffel (Absatz 30.03.2012). Aufgerufen am 6. Dezember 2013
cite-note-1919. â aerokurier â Piloten-Magazin. In: aerokurier. Abgerufen im 1. Januar 1
cite-note-2020. â Neues Flächenflugzeug in Dienst gestellt. Polizei Hessen. Abgerufen am 29. Oktober 2021
cite-note-bverfg-2121. â Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 11. März 2008 â 1 BvR 2074/05 â, BVerfGE 120, 378â433 â Automatisierte Erfassung von Kraftfahrzeugkennzeichen
cite-note-2222. â Deutscher Depeschendienst: Nummernschild-Scanner kommen zurĂźck. In: Frankfurter Rundschau. Frankfurt am Main 25. Januar 2019, S. 6.
cite-note-2323. â Bundesregierung: Kfz-Kennzeichen-Scanning kommt bundesweit. heise online, 21. Januar 2020, abgerufen am 24. Januar 2024.
cite-note-2424. â JĂźrgen Umbach: Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung, HNA-Artikel vom 12. Februar 2011 (eingesehen am 12. Juni 2011)
cite-note-2525. â Hessischer Landtag: Datenbanken, personengebundene und ermittlungsbezogene Hinweise bei der Hessischen Polizei. Kleine Anfrage Torsten Felstehausen, Die Linken, Drucksache 20/3266. Wiesbaden 15. Februar 2021, S. 4â5, https://starweb.hessen.de/cache/DRS/20/6/03266.pdf.
cite-note-2626. â Matthias Bartsch: Der Spiegel, Artikel vom 3. November 2010 (eingesehen am 12. Juni 2011)
cite-note-2727. â Ralf Euler: Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ-Artikel vom 16. Februar 2011 (eingesehen am 12. Juni 2011)
cite-note-2828. â faz.net
cite-note-2929. â Frankfurter Rundschau, Artikel âBrachialgewaltâ wegen Nichtigkeiten vom 27. Oktober 2010 (eingesehen am 12. Juni 2011)
cite-note-3030. â (Az.: 1120 Js 76674/11)
cite-note-3131. â Florian Flade, Ronen Steinke: Affäre um rechtsextreme Drohmails weitet sich aus. SZ, 26. August 2020
cite-note-3232. â Pitt von Bebenburg: Die Spur fĂźhrt erneut zur Polizei. FR, 9. Juli 2020.
cite-note-3333. â Pitt von Bebenburg, Hanning Voigts: âNSU 2.0â: Der hessische Polizeiskandal. In: Matthias Meisner, Heike Kleffner (Hrsg.): Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-81860-8, S. 131â146; hier S. 145
cite-note-3434. â Sonderermittler soll rechten Netzwerken in hessischer Polizei nachgehen. TS, 10. Juli 2020.
cite-note-3535. â Hanning Voigts, Pitt von Bebenburg: Porträt des Beschuldigten. FR, 12. Januar 2022
cite-note-3636. â Konrad Litschko: Versendete Polizist erstes Drohfax? taz, 17. März 2022; Hanning Voigts: War ein Polizist Teil des âNSU 2.0â? FR, 18. März 2022; Danijel MajiÄ, Frank Angermund: Nebenklage vermutet Polizisten hinter Drohschreiben. HS, 16. März 2022
cite-note-3737. â Wolfgang TĂźrk: Rafael Behr wird Hessens erster BĂźrger- und Polizeibeauftragter. Polizist, Polizeiforscher, Polizeikritiker. hessenschau.de, 22. September 2021
cite-note-3838. â Franco Foraci. "Wir tun zu wenig, damit Polizisten nicht abgleiten". Interview mit dem designierte BĂźrger- und Polizeibeauftragten Hessens. hessenschau.de, 23. September 2021
cite-note-3939. â RĂźckzug wegen gesundheitlicher GrĂźnde. Behr wird doch nicht Hessens erster Polizeibeauftragter. hessenschau.de, 11. Oktober 2021 (abgerufen am 14. Oktober 2021)
cite-note-4040. â Pia Rolfs: Wissenschaftler Rafael Behr: Polizeibeamte anfälliger fĂźr rechtes Gedankengut als andere. Frankfurter Neue Presse, 18. Dezember 2018
cite-note-4141. â Umfrage unter 17.000 Beamten: Mehr als jeder vierte Polizist in Hessen fĂźrchtet Islamisierung Deutschlands. Tagesspiegel, 3. Februar 2020.
cite-note-4242. â Matthias Bartsch, Jean-Pierre Ziegler: Rechtsextreme Beamte in Hessen: Experten kritisieren Deutung von Polizei-Studie. Spiegel online, 6. März 2020